Dienstag, 13. Juni 2017

Lorraine Fouchet - Ein geschenkter Anfang


Die Besprechung dieses Buches muss ich einfach mit einem Zitat aus dem Buch beginnen ...


„Qui voit Groix, voit sa joie, wer Groix erblickt, erblickt seine ganze Freude ...“ (Zitat Seite 76)

Meine ganz persönliche Freude: Als ich ein Überraschungspaket mit Lorraine Fouchets „Ein geschenkter Anfang“ in den Händen hielt – mein ganz persönliches Ticket für einen Kurzaufenthalt auf der Insel.


Nach einigen Jahres des Wartens und bangen Hoffens durfte ich endlich wieder ein neues Buch von Lorraine Fouchet lesen, deren bisher in Deutsch erschienene Bücher ich alle verschlungen habe. Dank des Atlantik Verlages, der mir schon mehrfach mit wunderschönen Büchern französischer Schriftsteller Freude gemacht hat, durfte ich nun wieder mit einer meiner Lieblingsautorinnen eine Reise auf die Île de Groix in der Bretagne unternehmen. Wenn ich sie nicht schon gekannt hätte, hätte mich alleine das Wort „Bretagne“ verführt. So sind es aber auch Beschreibungen wie diese, die mich glücklich und sehnsüchtig machen:

„So ist Groix – keine Sentimentalitäten, sondern Gefühl, kein Geschwätz, sondern Taten, keine Einsamkeit, sondern Gemeinsamkeit. Man wird geboren, man stirbt, und dazwischen navigiert man dahin, man liebt, man angelt, man kämpft, entre ciel et l'eau – zwischen Himmel und Wasser.“ (Zitat Seite 74)


Darum geht es:

Die Familie trifft sich zu einem traurigen Anlass auf Groix. Lou ist gestorben nachdem sie früh an Alzheimer erkrankt ist. Lou war Jos Seelenverwandte, die Liebe seines Lebens und die Mutter seiner Kinder Cyrian und Sarah. Jo leidet sehr unter dem Verlust von Lou, insbesondere auch, weil das Verhältnis zu seinen Kindern eher distanziert ist. Lou hat Jo ein schwieriges Erbe hinterlassen: Sie möchte, dass er sich seinen Kindern und Enkelkindern wieder annähert und eine Möglichkeit findet, die Familie wieder zu vereinen.

Cyrian lebt in einer kriselnden Ehe mit seiner Frau Albane, die ihre gemeinsame Tochter Charlotte überbehütet. Jos Sohn hat Affären mit anderen Frauen und setzt seine Ehe aufs Spiel. Er kann Jo so vieles nicht verzeihen.

Aber auch Tochter Sarah gab Lou Grund zur Sorge. Nachdem ihr Verlobter sie wegen ihrer Krankheit sitzen ließ, war sie nie mehr richtig glücklich.

„Ein Kind zu lieben bedeutet, von dem Kind Abschied zu nehmen, das man sich erträumt, in seiner Phantasie ausgemalt hat, es bedeutet, das Kind so zu akzeptieren, wie es ist, nicht wie wir es uns wünschen.“
(Zitat S. 39)


Ziemlich harte Brocken für den gutmütigen aber auch ahnungslosen Jo. Er steht vor einer schier unlösbaren Aufgabe, da er sich nie richtig mit seinen Kindern beschäftigt hat. Nicht, dass er sie nicht liebt, doch es fehlt die Nähe und Verbindung. Am nähsten ist ihm seine quirlige Enkelin Pomme, Cyrians erste Tochter, die mit ihrer Mutter ebenfalls auf Groix lebt und ihren Großvater sehr liebt. Ihre Großmutter Lou vermisst sie sehr und hat ein schlechtes Gewissen wegen des gemeinsamen Geheimnisses, das sie hüteten …

Meine Bewertung:


Die Jahre des Wartens wurden mehr als belohnt – Lorraine Fouchet zaubert noch immer mit Worten. Aus ihren Beschreibungen kann man die Liebe zur Île de Groix buchstäblich herauslesen. Schon einmal handelte einer ihrer Romane in Paris und auf Groix. Ich bin mir nicht ganz sicher (ist ja schon etwas her, dass ich „An einem Abend in Paris“ gelesen habe), aber ich glaube, im aktuellen Buch ein paar Insulanern wieder begegnet zu sein.

Ich habe die Geschichte bereits im März gelesen und sie war definitiv ein Monatshighlight und wird auch ein Jahresfavorit. Irgendwie finde ich, dass „Ein geschenkter Anfang“ nicht nur eine wunderbare Familiengeschichte ist, sondern auch eine sehr schöne Sommerlektüre – obwohl die Handlung von Herbst bis Winter spielt. Allein das Cover erinnert an einen Sommer an der Atlantikküste, den Urlaubsort meiner Träume.

Ich liebe Fouchets Erzählstil, den ich schon in den vorherigen Büchern sehr genossen habe. Die Geschichte wird aus der Sicht aller Protagonisten erzählt. Jedes Kapitel aus der Sicht einen anderen Familienmitglieds (oder von anderen Personen), teilweise in der Jetztzeit aber auch in den Jahren zuvor. Auch Lou kommt immer wieder zu Wort – sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart „von dort, wohin wir alle einmal gehen“. Sie kann zwar nicht mehr eingreifen, beobachtet aber das Geschehen und wie es ihren Lieben ergeht.

Diese Art der Erzählung macht die Geschichte sehr lebendig und liebenswert, da man von den Erlebnissen, Ängsten, Träumen und Erwartungen jedes einzelnen etwas erfährt und sogar die Beweggründe der wenig einnehmenden Schwiegertochter Albane nach und nach begreift. Letztlich sind mir alle Familienmitglieder im Lauf der Erzählung (mehr oder weniger) ans Herz gewachsen. Meine große Heldin und Lieblingsfigur ist auf jeden Fall die lebhafte Pomme, die das Herz am rechten Fleck hat.





Mein Fazit:

Neben Antoine Laurain und Marie-Sabine Roger gehört Lorraine Fouchet zu meinen Lieblingsautoren aus Frankreich. Wie schön, dass sie nun auch zur Atlantik-Familie gehört. Ich hoffe, dass es zukünftig noch viele weitere Bücher von ihr geben wird. Auch gegen Neuauflagen der alten Bücher in schönerer Aufmachung hätte ich absolut nichts einzuwenden. ;-)

Für „Ein geschenkter Anfang“ vergebe ich 5 Leselämpchen (am liebsten noch mehr...). Das Buch ist eines der Bücher, das auf Dauer ein Plätzchen in meinem Regal reserviert hat. Irgendwann werde ich alle Bücher der Autorin erneut lesen, am liebsten während eines Urlaubs in der Bretagne. Euch kann ich es zu 100% empfehlen, wenn ihr die Bücher der oben genannten Autoren auch mögt.


Weitere Informationen zum Buch und der Autorin findet ihr auf der Verlagsseite von Hoffmann und Campe.

Mein herzlicher Dank für die unverhoffte und absolut gelungene Überraschung geht an den Atlantik Verlag, der sich wieder einmal sehr viel Mühe gemacht hat für uns.



Euch wünsche ich einen schönen Abend und übermorgen einen sonnigen Feiertag.


Viele Grüße
Deborah


Ps: Heute ist mein 8. Bloggeburtstag. Das wird natürlich noch groß gefeiert in den kommenden Tagen ... seid gespannt.

Montag, 3. April 2017

Liv Jansen - Oma wird erwachsen


Whistle Stop Café Feeling in Seestein. Was für eine herrliche Geschichte. Sie ist genauso lustig, wie sich der Klappentext anhört und das Cover aussieht.



Darum geht es:

Oma Edith, 76 und seit Längerem Witwe, ist für alle da, immer. Sie hilft im ganzen Ort aus, wo sie gebraucht wird. Sei es in der Bäckerei, der Gaststätte … Wenn jemand fragt, hilft Oma Edith – und das, ohne irgendeine Gegenleistung oder gar selbst Hilfe zu bekommen. Und plötzlich klappt sie zusammen. Ihr Arzt diagnostiziert Burn-out. Oma hält das für Quatsch. Glücklicherweise brauchen Isabell, von ihrer Oma liebevoll „Klößchen“ genannt, und ihr bester, homosexueller Freund Kalle, von nun an von Oma politisch völlig unkorrekt aber ebenso liebevoll „Schwuppi“ genannt, eine Auszeit von der Stadt. Isabell hat ihren verhassten Assistentinnen-Job verloren und Kalle seinen Kosmetiksalon. Sie haben also Zeit, um sich um Oma zu kümmern und ihr beizubringen, nein zu sagen.

Das und die Tatsache, dass der schmierige Immobilienheini Winkelbach Seestein heimsucht, versetzt den ganzen Ort in Aufruhr, der auch nicht besser wird durch die Tatsache, dass Isabell, Kalle und Oma eine Idee haben und Wellnesskurse anbieten möchten. Chaos ist vorprogrammiert, aber zum Glück ist Dorfpolizist Hulle zur Stelle. Und dann sind da ja noch dieser attraktive Tierarzt Stephan und sein Cousin Matthias, der Therapeut ...




Meine Bewertung:

Was habe ich gelacht. Oma Edith ist einfach großartig und absolut tiefenentspannt. So eine Oma wünscht sich sicher jeder. Sie ist körperlich und geistig voll im Saft nur etwas erschöpft von den ganzen Sonderaufgaben, die ihr die Ortsbewohner von Seestein aufhalsen. Wie gut, dass Isabell und Kalle zur Rettung eilen. Auch wenn Kalle auf dem Land eigentlich hoffnungslos verloren ist. Seestein ist ein Ort an der Ostsee voller verschrobener Dorfbewohner, dunkler Geheimnisse aus der Vergangenheit, aber ansonsten stinklangweilig. Weshalb auch so gut wie alle jungen Bewohner weggezogen sind. Schade eigentlich, es klingt nach einem liebenswerten und ursprünglichen Ort.

Zwei Situationen in dem Buch ließen mich sofort an zwei Filme denken, die ich selbst sehr gemocht habe. Zumindest einer davon wird sogar im Buch genannt: „Grüne Tomaten“. Wenn ihr es lest (und den Film kennt), werdet ihr bestimmt ebenfalls diese eine kleine Sache entdecken. Eine andere Szene erinnerte mich an „Babyboom“ mit Diane Keaton. Diese eine Szene mit dem Tierarzt …

Das Schöne an „Oma wird erwachsen“ ist, dass es zwar sehr lustig, aber nicht total überzogen ist. Also ja, manchmal schon ein bisschen, aber eben nicht so sehr, dass es total unglaubwürdig wird. Und dafür, und auch für die liebenswerten Charaktere, liebe ich dieses Buch. Vielleicht wird es euch ja ähnlich ergehen. Es ist auch ein wenig romantisch, aber eben kein richtiger Liebesroman. Und ein wenig spannend, aber kein Krimi. Ein echt gelungener Mischmasch, bei dem keine Langeweile aufkommt – dazu ist das Buch auch viel zu schnell zu Ende. Ich hätte nun glatt mal Lust, an die Ostsee zu reisen. Aber eigentlich ist die Nordsee zuerst dran.


Mein Fazit:

Einfach toll, lustig, lesenswert, perfekt. Deshalb gibt es wieder einmal 5 Lämpchen - diesmal absolut verdient an Oma Edith und ihre Leuchten beziehungsweise ihre Erleuchteten.


Wenn ihr auf der Suche nach einem lustigen Urlaubsbuch (vielleicht sogar für einen Urlaub an der Ostsee?) seid, solltet ihr euch Oma Edith einmal anschauen. Und falls ihr nicht in Urlaub fahrt: Macht nichts, Oma bringt euch die Sonne auch nach Hause.

Weitere Informationen zur Autorin und zum Buch (inklusive Leseprobe) findet ihr auf der Internetseite von HarperCollinsGermany

Ich bedanke mich für das Rezensionsexemplar ganz herzlich bei HarperCollinsGermany und MIRA Taschenbuch.





Ich wünsche euch einen guten, entspannten Start in die neue Woche!


Deborah