Sonntag, 21. August 2016

Linda Schipp - Memories to do - Allies Liste

Ich möchte euch heute ein Buch vorstellen, das ich bei meinem ersten Besuch im Drachennest des Drachenmond Verlages in Leverkusen entdeckt habe. Aufmerksam wurde ich durch das Cover in Lieblingsfarben, dann wurde ich neugierig durch den Titel und den Klappentext und letztendlich fand ich die Autorin so sympathisch, dass das Buch einfach mit musste – wenn auch leider noch nicht in der Drachenmond Ausgabe...



Darum geht es:

Allie wacht nach einem Unfall auf und kann sich an die Hälfte ihres Lebens nicht mehr erinnern. In ihrem Kopf ist sie wieder 17 und kurz vor dem Sprung aufs College. In Wirklichkeit ist sie aber schon 34, eine erfolgreiche Autorin/Journalistin und glücklich mit Aaron verheiratet. Außerdem hat sie einen kleinen Sohn. An all das kann sich Allie nicht mehr erinnern. Alles ist anders und sie kommt mit ihrem neuen Leben nicht mehr zurecht. Darum bittet sie ihren Ehemann, an den Ort ihrer letzten Erinnerung zurückkehren zu dürfen, in ihre Heimatstadt Townsend – zusammen mit ihrem damaligen besten Freund Luis. Schweren Herzens lässt Aaron sie ziehen, in der Ungewissheit, welche Pläne Luis verfolgt. Ob Allie die Reise hilft, ihr Gedächtnis wiederzufinden?



Meine Bewertung:

Ich kann nur sagen, ich bin sprachlos. Von den fünf Büchern, die ich diesen Monat bereits gelesen habe, ist dieses mein absolutes Lieblingsbuch – wobei ich eigentlich (bis auf eine Ausnahme vielleicht) alle Bücher mochte. Linda Schipp hat mich wirklich total überrascht mit ihrer Geschichte und der lebendigen Sprache. Die junge Autorin hat sehr schönes, bewegendes Debüt mit viel Herzblut geschrieben. Mein Gefühl bei der Lesung täuschte mich nicht – absolut ein Buch für mich.

Anhand des Titels wurde ich etwas in die Irre geleitet, denn ich dachte, es wäre wieder einmal ein „Listenbuch“. Ich habe ja schon einige Bücher dieser Art gelesen, Bücher über lange vergessene Wunschlisten etc. Doch darum geht es hier gar nicht so richtig. Ab einem gewissen Punkt beschließt Allie einfach, sich eine neue Liste mit zu schaffenden Erinnerungen aufzuschreiben. Keine, die sie schon erlebt hat, sondern solche, die sie in ihrem weiteren Leben abhaken will. Eine Liste, die sich ständig erweitern und verändern kann, für ihre Zeit in Townsend jedoch keine große Rolle spielt. Viel interessanter ist hier, was sie über sich und ihre Freundschaften, Beziehungen und ihr Verhältnis zu ihrer Mutter erfährt. Und immer mal wieder blitzen kleine Erinnerungen auf und Gefühle.

Von Anfang an ist klar, dass zwischen Allie und Luis etwas Ungeklärtes steht. Irgendwas ist in ihrer gemeinsamen Vergangenheit passiert. Und diese Sache steht offensichtlich zwischen den beiden. Allie fragt sich deshalb schon bald, in welcher Beziehung sie wirklich zu Luis stand. Waren sie „nur“ befreundet oder war da mehr? Am schlimmsten ist für Allie jedoch, dass ihre Mutter zwischenzeitlich gestorben ist und sie sich offenbar innerhalb der letzten 17 Jahre ganz furchtbar mit ihr zerstritten hatte, sodass der Kontakt abriss. Luis ist wegen seiner Gefühle für Allie hin- und hergerissen, denn er befürchtet, Allie wieder zu verlieren, und diesmal für immer. Andererseits hat er Aaron ein Versprechen gegeben: Ihm seine Frau zurückzubringen – vorzugsweise mit Erinnerung.



Der Einstieg in die Geschichte ist interessant, sie beginnt im Juli 2071 mit der Beerdigung von Allisons Mann, eigentlich einem sehr traurigen Ereignis. Deshalb weiß der Leser gleich zu Beginn, dass die Protagonistin noch viele glückliche Jahre an seiner Seite verbracht hat. Allies Kinder bitten sie, ihre Lebensgeschichte nach der Amnesie den Kindern und Enkeln zu erzählen. Allie beginnt mit der Nacht im Juli 1997 im Bootshaus zusammen mit Luis. Die letzte Nacht, an die sie sich nach ihrem Sturz erinnern konnte. Und so erfährt man in einer Rückblende, was sie alles ab dem Zeitpunkt ihrer Rückkehr nach Townsend erlebt, wie sie ihr bisheriges (leider vergessenes) Leben hinterfragt. Denn offensichtlich ist nicht alles so, wie es scheint. Wie gut, dass sie Luis an ihrer Seite hat, der ihr hilft, herauszufinden, was ihre eigenen Wünsche sind.



Die Charaktere sind mir (mit ein paar Ausnahmen natürlich) sehr ans Herz gewachsen. Allie ist eine lebensfrohe Frau, die sich durch Verletzungen in der Vergangenheit charakterlich sehr verbogen hat. Die Amnesie ist für sie fast ein Glücksfalls, denn so hat sie die Chance, ihr Leben noch einmal komplett zu drehen – auch wenn sie erst einmal damit klar kommen muss, dass sie kein Teenager mehr ist. Luis trägt auch seine Päckchen mit sich und ist manchmal nicht leicht einzuschätzen. Aber eines spürt man von Anfang an: Dass er für Allie da sein will. Eine meiner Lieblingsfiguren ist Harry, eine jüngere Freundin von Allie und ein absoluter Sonnenschein.

Zum Cover brauche ich ja nichts mehr zu sagen: Wie eingangs erwähnt, habe ich mich direkt verliebt. Die Farben und die Schrift sind ein Traum und im Hintergrund kann man zart Auszüge aus Allies Liste sehen. Das Boot hat natürlich eine besondere Bedeutung.

Die Sprache des Buches gefällt mir sehr gut. Einen klitzekleinen Kritikpunkt gibt es aber auch: Zeitweise wird „die Sache“ etwas zu häufig hervorgehoben. „Die Sache“ ist ein Geheimnis, das Luis seit langem hütet. Und immer wenn er daran denkt oder davon spricht ist es eben „die Sache“ - wobei es nicht unbedingt nötig gewesen wäre, es beim Namen zu nennen. Wie Linda Schipp uns bei der Lesung im Drachennest erzählte, hat sich dieses Geheimnis erst im Laufe des Schreibens entwickelt – sie wusste anfangs selbst nicht, was „die Sache“ war. Zur Wahl des Ortes der Handlung erzählte sie uns auch etwas: So wie ihr Protagonist Luis seinen Wohnort gewählt hatte, hatte auch sie es gemacht: Blind auf der Landkarte mit dem Finger einen Punkt in den USA angetippt. Und das wurde eben Townsend. Sie ist selbst nicht da gewesen, hat aber viel über den Ort recherchiert.




Nach diesem Debüt-Roman bin ich gespannt darauf, was wir in den nächsten Jahren noch von Linda Schipp lesen dürfen. Ich freue mich auf jeden Fall auf weitere Bücher von ihr und wünsche ihr viel Erfolg als Autorin.

Mirjam H. Hüberli und Linda Schipp im Drachennest am 6. August 2016
Mein Fazit:

„Memories to do“ ist ein Debüt-Roman, der mich absolut begeistert hat und deshalb natürlich 5 Lämpchen von mir bekommt – auch wenn kleine Schwächen vorhanden sind. Das Gesamtwerk ist ein Roman, wie ich ihn mag, mit allem Drum und Dran.



Mittlerweile erscheint das Buch im Drachenmond Verlag. Weitere Informationen dazu findet ihr auf der Internetseite des Drachenmond Verlages. Linda Schipp findet ihr übrigens auch auf Facebook. Schaut doch einfach mal bei ihr vorbei. Sie freut sich sicher über eure Rückmeldungen. 

Ich wünsche euch viel Freude beim Lesen. Bei uns ist heute ein perfekter Lesesonntag: Es regnet. Bei euch auch? Dann schnappt euch doch ein gutes Buch... eine bessere Ausrede gibt es im Sommer wohl kaum.

Schönen Sonntag!

Deborah 




Sonntag, 14. August 2016

Claire Bonamy - Wiedersehen in Barfleur

Es ist wieder Sommerbuchzeit! Auch heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, das keine gewöhnliche Sommerromanze ist, sondern auch einen ernsten Hintergrund hat – und noch einmal entführe ich euch nach Nordfrankreich ans Meer. Genauer gesagt: Nach Barfleur, einem Ort am Ärmelkanal in der Normandie.



Darum geht es:

Charlotte ist Kuratorin in einem Museum in Köln und hat gerade eine erfolgreiche Ausstellung eröffnet. Zentraler Mittelpunkt ist ein Bild von Monet „Impression, Soleil levant“. Ein Bild, das Charlotte sehr berührt – es zeigt einen Sonnenaufgang am alten Hafen in Le Havre. In Nähe der Stadt hat Charlotte in ihrer Jugend häufig die Sommerferien verbracht, bis zu jenem schicksalhaften Sommer vor 15 Jahren, als ihr Vater von einer Bootsfahrt nicht mehr zurückkehrt und spurlos verschwindet.

Umso unerwarteter trifft sie die Nachricht ihrer Großcousine Sophie, die ihr in einem Telefonat mitteilt, dass sie glaubt, Charlottes Vater in Barfleur gesehen zu haben. Charlotte zögert nicht lange und reist direkt in die Normandie, um herauszufinden, ob ihr geliebter Vater tatsächlich noch lebt.
In Barfleur wird Charlotte mit weit mehr alten Geschichten konfrontiert, als sie ahnen konnte. Bei ihren Recherchen stößt sie auch auf die verbotene Liebe ihres Großvaters Johann, der sich als junger deutscher Soldat in Zeiten des Krieges in Mathilde verliebte.

Zur gleichen Zeit befindet sich auch Charlottes Jugendliebe Matthieu wieder in Barfleur. Ein wunderbarer Zufall, denn er unterstützt Charlotte bei ihrer Suche. Und auch nach so langer Zeit sind noch immer Gefühle vorhanden, oder sind es auch nur Erinnerungen?



Meine Bewertung:

Bei „Claire Bonamy“ handelt es sich um ein Autorinnen-Duo. Es besteht aus Andrea Russo, deren lustige Romane ich schon seit längerem liebe, und der Kunsthistorikerin Eva Philippon. Zusammen ist es den beiden gelungen, eine lebendige Geschichte aus Vergangenheit und Gegenwart zu verknüpfen. Eine Geschichte, die teilweise zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges und noch davor spielt und in der ein unbekanntes Bild des Malers Paul Signac keine unwichtige Rolle spielt. Ein Bild, das er einem kleinen Mädchen „verkaufte“ im Tausch gegen ihre Schätze.




Sowohl die Geschichte um Mathilde und Johann als auch die Gegenwart haben mich sehr angesprochen und ließen mich das Buch kaum aus der Hand legen. Ich wollte unbedingt wissen, wie es in beiden Zeiten weitergeht. Das ist eher eine Seltenheit, denn oft interessiert mich ein Part mehr als der andere und ich überspringe die Zeiten dazwischen eher. Diesmal war das nicht der Fall, was sehr für den Aufbau der Erzählung und auch die gehaltene Spannung spricht. Einerseits interessierte mich natürlich, was aus Charlottes Vater wurde, andererseits aber auch, was Johann und Mathilde erlebten. Und ganz nebenbei natürlich auch, ob sich Matthieu und Charlotte wieder näher kommen. Ein bisschen Liebe muss sein im Sommer.

Bei „Wiedersehen in Barfleur“ hatte ich das Gefühl, dass die Hintergründe – sowohl im historischen als auch im kunsthistorischen Bereich – sehr gut recherchiert wurden, sodass man sich das Leben in Barfleur zur Zeit des Krieges besonders gut vorstellen konnte. Dieser Handlungsabschnitt ist natürlich der dramatischere, zumal ein unrühmlicher Teil einer ohnehin schrecklichen Zeit beleuchtet wird, der mir bisher so nicht bekannt war. Liebe war noch nie einfach – aber Liebe zum Feind ist natürlich doppelt schwer und ein gesellschaftlicher Grund zur Isolation und Ausgrenzung. Am Rande erfuhr ich auch einiges über das Kriegsende und die Landung der Alliierten.

Dass das Buch einen Nachhall in mir ausgelöst hat merke ich daran, dass ich im Anschluss im Internet erst einmal Bilder von Paul Signac angeschaut und selbst etwas über die Geschichte der Normandie nachgelesen habe.



Am allerwichtigsten ist aber dies: Das Autorinnen-Duo Claire Bonamy hat mir mit „Wiedersehen in Barfleur“ ein paar wunderschöne Sommerlesestunden geschenkt. Unabhängig von dem Wetter hier durfte ich gedanklich viele schöne, unvergessliche Stunden in der Normandie verbringen. Und Romantik war ja nun auch dabei – wenn auch nicht im lustigen Sommerkleidchen. Muss ja auch nicht immer sein.

Noch etwas zu den äußeren Werten: Das Cover ist farblich sehr schön und hat einen Bezug zur Geschichte - wenn es mich von der Gestaltung her auch eher an ein Motiv aus Südfrankreich erinnert. Wobei Südfrankreich ja auch irgendwie in die Geschichte einfließt. Passt also und gefällt mir so oder so.


Mein Fazit:

Unbedingt lesen, wenn ihr ein schönes Sommerbuch sucht, das sich von der Masse abhebt. Ihr findet hier Liebe, Drama, Frankreich, Meer, Kunst und Geschichte. Eine Mischung, die für Spannung und Unterhaltung sorgt.

Ich habe mich wieder einmal in Nordfrankreich verliebt, obwohl ich selbst noch nie dort war (ja ich weiß, soweit weg ist es eigentlich nicht, aber...). Charlotte und Matthieu und Johann und Mathilde ließen mich an ihrem ihrem Leben teilhaben und ich habe jede Minute genossen. Liebe kann grausam und zugleich unwahrscheinlich schön sein.

Von mir gibt es für dieses Buch glatte 5 Lämpchen – wenn ich hätte, gäbe es sogar 5+. Vielleicht muss ich ja doch noch irgendwann halbe Lämpchen einführen. ;-)



Weitere Informationen zum Buch und den Autorinnen findet ihr auf der Internetseite des Ullstein Verlages und den Seiten von Andrea Russo und Eva Philippon.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Andrea Russo für die Zusendung des Buches, ich habe mich so darüber gefreut.




Ich wünsche euch allen einen schönen Abend und einen guten Start in die neue Woche. Ganz bald gibt es noch ein paar Sommerbücher, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Es geht dann über den Ärmelkanal herüber nach Wales und Cornwall – auch Orte, von denen ich schon lange träume...


Eure



Deborah


Ps: Das Gemälde oben hat natürlich überhaupt nichts mit Paul Signac zu tun. Es ist vielmehr ein persönliches Geschenk aus der Familie, das doch irgendwie gut zur Handlung passt. Außerdem gefallen mir die Farben so gut. ;-)






Freitag, 5. August 2016

Grégoire Delacourt - Die vier Jahreszeiten des Sommers

Nach ersten Einstiegsschwierigkeiten mochte ich Grégoire Delacourts Buch "Alle meine Wünsche" sehr gerne. Umso mehr freute ich mich über die Sommerüberraschung vom Atlantik-Verlag und das neue Buch "Die vier Jahreszeiten der Liebe".



Zum Inhalt:

Ein Sommer verbindet die Geschichte vierer Liebespaare durch Zufall. Es sind vier Geschichten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Eines haben sie jedoch alle gemeinsam: Diesen einen prägenden Tag am Strand von Le Touquet an der nordfranzösischen Küste: Der 14. Juli 1999 - Der letzte französische Nationalfeiertag vor dem von Nostradamus prophezeiten Ende der Welt und dem weltweit befürchteten Millenium-Bug, der unsere moderne, technische Welt ins Straucheln bringen sollte. Obwohl weder das Eine noch das Andere eintraf, änderte dieser eine Tag das Leben aller Protagonisten.



Meine Bewertung:

Erneut tat ich mich anfangs etwas schwer mit dem Buch - was vermutlich an der Einstiegsgeschichte "Pimpernelle" lag. Als erstes erfährt man von der Jugendliebe von Louis zu Victoria. Louis ist 15 und Victoria 13 - beide also gerade erst an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Louis ist schwer verliebt in seine beste Freundin und hofft, dass aus ihrer Freundschaft schon bald mehr werden kann und Victoria auch ihre Gefühle für ihn entdeckt.

In der zweiten Geschichte "Eugénie Guinossseau" trifft die 35jährige Isabelle, vom Leben und den Männern zutiefst enttäuschte, verlassene Frau auf ihre Jugendliebe Romain. Ein unglücklicher Zufall führt zu diesem erneuten Zusammentreffen. Sie hatte ihn mit 15 Jahren zum letzten Mal gesehen und nie vergessen. Ob ihre Liebe nun eine Chance hat?

Die dritte Geschichte "Hyazinthe" handelt von der 55jährigen Monique, die in besagtem Juli beschließt, ohne ihren Mann Richard in Urlaub zu fahren. Das Paar hat sich entfremdet, ihre Ehe ist eingechlafen und Monique sehnt sich nach Leben, Liebe und Leidenschaft. Sie beschließt kurzerhand, nicht länger Monique zu sein. Von nun an ist sie Louise und beginnt ein neues, aufregendes Leben. In Le Touquet begegnet sie Robert, der in ihr all die ersehenten Gefühle erwachen lässt. Am 14. Juli entscheidet sich ihr weiterer Lebensweg.

Die vierte Geschichte "Rose" handelt von Pierre und Rose. Sie berührte mich am meisten. Pierre und Rose lernen sich in ihrer Jugend 1944 mitten in den Wirren des Zweiten Weltkrieges und dessen zerstörerrischen Kraft am Strand von Le Touquet kennen und lieben. 

Unser Elend zog uns zueinander. Es war keine Liebe auf den ersten Blick, es gab keine Sterne, keine rasende Herzen, keine romantischen Zitage aus Büchern, nur einen Blick, einen drängend Blick. (Zitat Seite 139)

Sie geben sich ein Versprechen bevor sie sich aus den Augen verlieren. Als sie sich 1949 wieder treffen, heiraten sie und verbringen von nun an ihr gesamtes Leben zusammen. Die Worte ihrer Liebe sind mit die schönsten, die ich je gelesen habe, Worte einer erlebten Liebe. Hier ein Ausschnitt dieser gut 1 1/4 Seiten langen Liebeserklärung:

Wir haben nie von Liebe gesprochen...
Aber wir liebten uns.
Wir liebten uns zwischen den Worten, zwischen den Zeilen, im Schweigen und in den Blicken, in den einfachsten Gesten...
Liebesworte hätten nichts verändert.
(Zitat 151-152)

Am 14. Juli 1999 ist jedoch für beide der Zeitpunkt gekommen, ihr gegenseitiges Versprechen von vor über 50 Jahren einzulösen: Zusammen zu sein bis in den Tod. Dieses Datum soll zum letzten großen Liebesbeweis werden. 



Am 14. Juli 1999 verweben sich all die Geschehnisse miteinander. Alles ergibt dann einen Sinn und die teilweise etwas melancholische Stimmung löst sich. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich in das Buch verliebt - wenn auch hauptsächlich wegen Pierres und Roses Liebesgeschichte: Einer Liebe, geboren in Zeiten der Not, voller Kraft und Schönheit - auch in schicksalhaften Jahren. Es bedarf keiner Worte der Liebe zwischen Rose und Pierre, sie leben bis zuletzt dieses Gefühl. Auch Monique/Louise spürt diese Liebe bei ihrem Zusammentreffen mit dem Paar:

Sie sind beide schön. Ich muss es ihnen einfach sagen. Lachend wehrt sie mein Kompliment mit einer Handbewegung ab.

"Das sind nicht wir", erklärt sie mir. "Was wir erlebt haben, ist schön. Sogar unsere Stürme waren schön..." (Zitat Seite 106)

Bis zum Schluss nicht warm wurde ich mit Louis und Victoria und auch nicht mit der enttäuschten Isabelle. Dagegen gefiel mir Moniques/Louises Geschichte sehr gut - was vermutlich damit zusammenhängt, dass sie eigentlich sehr positiv wirkt und Hoffnung macht: Auch über 50 gibt es eine Chance, sein Leben zu drehen und zu lieben. Besonders schön ist das Ende dieser Geschichte.  



Mein Fazit:

Wieder einmal hat mich Grégoire Delacourt überzeugt und ein schönes Sommerbuch geliefert, das sich aus der Menge abhebt und Lust macht, Nordfrankreich und die geschichtsträchtige Küste einmal zu besuchen. Ich meine, die Brandung zu hören und die Meerluft zu riechen.

Deshalb gibt es von mir 4 Lämpchen und den Wunsch, weitere Bücher dieses Autors zu lesen.



Weitere Informationen zum Buch und zum Autor gibt es direkt auf der Internetseite des Verlages


Ich bedanke mich ganz herzlich beim Atlantik Verlag für die gelungene Überraschung - es war wie ein Sommerpicknick ohne Sommer - und ohne Strand. Die Bilder habe ich übrigens in der Wahner Heide in der Nähe von Köln aufgenommen... ;-)

Und meinen Followern und Lesern wünsche ich viel Freude beim Lesen von "Die Jahreszeiten der Liebe". Ich würde mich freuen, wenn ihr mir schreibt, wie es euch gefallen hat. 

Einen schönen Start in ein hoffentlich sommerliches Wochenende!


Deborah