Donnerstag, 27. Februar 2014

Sólveig Jónsdóttir - Ganze Tage im Café

Ein dunkler Winter und vier Frauen in Reykjavík...




Zum Inhalt:

Hervör, Silja, Mía und Karen kennen sich nicht. Es sind vier junge Frauen, die in Reykjavík leben, lieben und arbeiten. Hervör arbeitet im "Viertel", einem Café, dass auch die anderen kennen und früher oder später aufsuchen. Für alle vier Frauen gibt es große Änderungen im Leben. Hervör wird von ihrem älteren Liebhaber und früheren Professor verlassen, Mía von ihrem Mann, Silja erwischt ihren Mann beim Ehebruch - mit Karen, die ihrerseits verzweifelt ist über einen großen Verlust in ihrem Leben. Und das alles während des langen isländischen Winters.

Meine Bewertung:

Fällt mir in diesem Fall wirklich schwer. Ich hatte etwas vollkommen anderes von "Ganze Tage im Café" erwartet. Ich bin deshalb auch nicht 100%ig begeistert von dem Buch - aber ich finde es trotzdem gut. Auch bin ich der Meinung, der deutsche Titel passt überhaupt nicht - die einzige, die ganze Tage im Café verbringt ist Hervör, denn sie arbeitet dort. Ich dachte, die vier Frauen hätten irgendwann mehr miteinander zu tun - würden sich vielleicht sogar befreunden. Aber das war leider nicht so.

Insgesamt sind die ganzen Geschichten eher tragisch, wirklich viel Lustiges erleben die vier jungen Frauen nicht, zumindest anfangs nicht. Jede kämpft mit ihrer ganz persönlichen Katastrophe. Am sympathischsten ist mir Hervör, sie hat eine herzliche Art und steuert auf ein Happyend mit ihrem Kollegen Georg hin. Die beiden sind meine Helden in der Geschichte. Auch für die betrogene Silja gibt es ein hoffnungsvolles Licht im dunklen isländischen Winter: Liam, der lustige Engländer, holt sie aus ihrer Trauer um die gescheiterte Ehe. Bei Mía und Karen ist viel mehr Alkohol im Spiel, als für beide gut ist. Und trotzdem gibt es auch für diese beiden Hoffnung. Am wenigsten konnte ich mit Mía anfangen - sie ist nicht so einfach zu durchschauen. 

Das Ende des Buches ist sehr offen gehalten - alles ist möglich für die vier Frauen. Ich weiß nicht, ob hier eine Fortsetzung geplant ist. Die Möglichkeit dafür besteht jedenfalls. Was mir nicht so gefallen hat, ist die Tatsache, dass gegen Schluss des Buches die Erzählstränge sehr schnell zusammen gebracht werden, nachdem sie vorher die ganze Zeit nebeneinander her laufen. Es scheint fast so, also müsste die Geschichte dann ganz schnell zu einem Ende kommen. Und dieser Abschluss ist dann ebenfalls sehr kurz und plötzlich und lässt einen schon teilweise mit Fragezeichen in den Augen zurück.

"Ganze Tage im Café" scheint in Island ein großer Erfolg zu sein. Ich glaube, die Geschichte kommt bei uns schwieriger an, da die Mentalität sehr unterschiedlich ist. Innerhalb der Leserunde bei lovelybooks stellte sich heraus, dass sich einige an dem überdurchschnittlich hohen Alkoholkonsum der Protagonistinnen störten. Was nicht wirklich verwundert, denn irgendwie ist jede einzelne von den Frauen irgendwann betrunken und geht dann an ihre Grenzen. Teilweise mag das lustig sein, aber zumeist ist es eher traurig. 

Mein Fazit: Es war nicht die unterhaltsame Lektüre, die ich erwartet habe, aber dennoch ist "Ganze Tage im Café" ein interessantes und durchaus lesenswertes Buch. Und offensichtlich können wir froh sein, dass wir keine solchen harten, dunklen Winter haben... Mit Sicherheit interessant für Island-Fans und Freunde isländischer Literatur. Weitere Infos zum Buch findet ihr beim Insel Verlag (Suhrkamp).

Mein Dankeschön geht an lovelybooks und den Insel Verlag!

Deborah









Timm Kruse - Roadtrip mit Guru

Eine wahrhaft unterhaltsame und dennoch wahre Geschichte...




Zum Inhalt:


Timm Kruse konnte es vermutlich selbst nicht verstehen, was das bei diesem Festival in Baden-Baden mit ihm passiert ist: Nachdem er einen Guru umarmt hat, bricht er heulend zusammen. Kurz danach beschließt er, diesem Guru nach Indien zu folgen. Zunächst nur als Urlaub geplant, wird bald mehr daraus. Er beschließt, ein Jahr dem Guru zu folgen. Seine Familie und seine Freundin haben wenig Verständnis für diese Entscheidung. Dennoch wagt er den Schritt und kündigt seinen gut bezahlten Beruf um Fahrer eines Guru zu werden und die Welt gemeinsam mit ihm zu bereisen. Immer auf der Suche nach dem Glück und der Erleuchtung.


Meine Bewertung:


Als allererstes: Ich gebe es zu, ich kann Timm Kruses Entscheidung nicht verstehen. Dieses Leben im Ashram wäre für mich der reinste Horror. Und Indien an sich zählt auch schon nicht zu den Ländern, die ich jemals bereisen möchte. Irgendwie kann ich mir die Geruchsintensität und die Menschenmengen fast plastisch vorstellen - es gruselt mich schon bei dem Gedanken daran. Nach den Beschreibungen von Timm Kruse weiß ich zu 100%, dass ich niemals einen Fuß in dieses Land setzen werde, denn es scheint meine ohnehin schon schlimmen Vorstellungen noch zu übertreffen.Verstehen kann ich aber den Überdruss von unserer Konsumgesellschaft - bei uns wird schon auf sehr hohem Niveau gejammert. In einem Land wie Indien kann man sicher gut Demut und Dankbarkeit lernen oder erfahren.


Umso neugieriger war ich auf dieses Buch. Als End-Dreißiger begibt sich Timm Kruse, nachdem er den Guru in Baden-Baden kennen lernte, auf die Suche nach dem Glück. Er erhofft sich Antworten vom Guru - Antworten, die sein Leben verändern. Zunächst verbringt er einige Zeit im indischen Ashram des Guru und lebt dort mit Europäern unterschiedlichster Herkunft zusammen. Angeleitet (und kontrolliert) werden sie alle vom Guru und seinem "Inner Circle". Von Anfang an ist und bleibt der Autor skeptisch, was ihn zumindest vor dem Verlust eines größeren Vermögens schützt. Er wird zwar auch immer mehr zum Vertrauten des Guru, doch irgendwie schützt ihn weiterhin sein gesunder Menschenverstand. Auch wenn er ihn offensichtlich verdrängt.


Offensichtlich ist der Wunsch nach Erfüllung und Glück in uns allen vorhanden und zweifelnde Menschen sind ein großes Los für diesen und natürlich auch andere Gurus. So versprechen sie Erleuchtung und das Teilen ihres Wissens, nebst körperlicher und seelischer Gesundheit. Da spendet man doch gerne einmal Beträge im 4 oder gar 5-stelligen Bereich. Und so reist der Guru durch verschiedene Länder und sammelt Spenden - für ein Gesundheitszentrum, das wohl bis heute nicht gebaut wurde. 


Timm Kruses Reise ist sehr unterhaltsam beschrieben - trotz der ernsten Untertöne und der Einschübe, was die einzelnen Guru-Jünger für ihre Erkenntnisse eingebüßt haben. Das Buch ist ein richtiges Road-Movie, bei einigen Situationen musste ich wirklich schmunzeln. Bei anderen fragte ich mich, warum er nicht einfach sein Zeug zusammen packt und verschwindet. Erstaunlich ist, wie plötzlich alles endet - genauso unerwartet, wie es anfängt. Auf jeden Fall habe ich großen Respekt vor Timm Kruse, dass er seine Erfahrungen als Buch veröffentlicht hat. 


Der Autor hat viel Glück und wird von Familie und Freundin wieder auf- und angenommen - trotz des längerfristigen Aussetzers. Eines hat ihm die Zeit mit dem Guru sicher gebracht: Eine Menge Erfahrung, auch in Bezug darauf, wie viel Besitz wirklich glücklich macht, und die Erkenntnis, welche Freunde wirkliche Freunde sind. Außerdem muss man sagen, dass er wirklich eine tolle Freundin hat, die ihn trotz seiner Eskapaden nicht abgeschrieben hat. Sie hat ihm die Freiheit gegeben, zu tun, was er möchte. Sie ließ ihn gehen und er kam zurück. Ein schönes Ende für die Geschichte - finde ich zumindest. 


Sehr lachen musste ich persönlich, weil Timm Kruse ausgerechnet von der Offenburger Polizei nach seiner Rückkehr Post zu Hause vorfand. Es kam da wohl zu einem kleinen Missverständnis im Rahmen der Reise. Was genau passiert ist, verrate ich euch aber nicht, nur so viel: Guru hin oder her, die Tankstellen haben nichts zu verschenken. ;-)


Die Aufmachung des Buches ist sehr gelungen, auch wenn der Autor wohl kaum mit einem solchen Mobil unterwegs war. Ich mag die Farben und das Bild - es passt mehr als gut zum Inhalt. Auch mit diesem Buch konnte mich Eden Books überzeugen. Der Verlag hat in diesem Frühjahr ein - wenn auch recht überschaubares - feines Programm. Langsam aber sicher gefallen mir solche Erfahrungsberichte immer besser - so lange sie nicht trocken und langweilig sind. Davon ist "Roadtrip mit Guru" aber zum Glück weit entfernt! Solltet ihr den spontanen Wunsch empfinden, einem Guru zu folgen, solltet ihr vielleicht vorher dieses Buch lesen - vielleicht bewahrt es euch vor größeren Dummheiten. 


Hier der Trailer zum Buch:



Auf dem buntfunktv-Youtube-Kanal findet ihr übrigens auch ein interessantes Interview von Frank Elstner und Timm Kruse. Es handelt zwar eigentlich von seinem ersten Buch "40 Tage Fasten: Von einem, der mal Ballast abwerfen wollte", befasst sich aber auch mit seiner Zeit mit dem Guru. 

Weitere Infos zum Buch findet ihr auf der Internetseite von Eden Books. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und bedanke mich für das wunderbare Rezensionsexemplar.

Deborah



Samstag, 15. Februar 2014

Tina Wolf - Mit zwei Pampelmusen auf den Himalaya

Das neue Buch von der Autorin von "Kein Kind ist auch (k)eine Lösung". Ein wunderbares Buch über die Liebe, das Leben und unerfüllte Wünsche...




Zum Inhalt:

Eigentlich haben Lisa und Bob ein wundervolles Leben, sie sind ein glückliches, verliebtes Paar. Lisa hat es geschafft, ein eigenes kleines Fotostudio zu eröffnen. Sie hat zwei tolle beste Freundinnen und einen Freund, die mit ihr durch dick und dünn gehen. Bisher hat sie nichts vermisst und fühlte sich glücklich. Doch von einem Tag auf den anderen ist alles anders: Sie wünscht sich ein Baby. Schnell sind Bob und sie sich einig, dass jetzt doch der richtige Zeitpunkt ist für den Nachwuchs. Beide sind Mitte/Ende 30, Lisa fühlt so langsam - auch wenn sie es nicht wahrhaben will - ihre Uhr ticken. Leider kommt alles anders als gedacht, denn es klappt einfach nicht mit dem Kindersegen...

Meine Bewertung:

"Mit zwei Pampelmusen auf den Himalaya" ist eine wunderbare Mischung: Teilweise lustig, teilweise melancholisch. Die meisten (kinderlosen) Frauen ab Mitte 30 werden Lisas Gefühle nachvollziehen können. Irgendwann schleichen sich klammheimlich, unverhofft oder sogar unerwünscht Gedanken dieser Art um die Ecke: Was wäre, wenn? Sollten wir vielleicht doch? So langsam wird die Zeit knapp... Spätestens dann wird es wohl Zeit, sich doch über seine Wünsche und Ziele klar zu werden. Schlimm ist es dann für die Paare, die sich sehnlichst Nachwuchs wünschen, aber es klappt einfach nicht. 

Man kennt es schon aus Dokumentationen, Filmen (zumindest ein Beispiel fällt mir spontan ein: Forget Paris), Zeitschriften und und und: Paare, die alles versuchen, um sich ihren Kinderwunsch doch noch zu erfüllen, und dabei durch die Hölle aller medizinischen Möglichkeiten gehen - und sich selbst dabei fast oder tatsächlich ganz aus den Augen verlieren. Und genau darum geht es auch in diesem Buch. Der ersten Euphorie nach dem Entschluss, ein Baby zu bekommen, folgt nach 1-2 Jahren die Ernüchterung, weil Lisa noch immer nicht schwanger ist. Ihre Verzweiflung wächst mit zunehmenden Alter und Bob fühlt sich immer mehr an den Rand gedrängt. Ihre Freunde stehen hinter Lisa, nachdem sie ihnen von ihren Schwierigkeiten erzählt hat. Als letzte Maßnahme entschließen sie sich, eine Kinderwunschpraxis aufzusuchen. Ein harter Weg, nachdem sich herausgestellt hat, dass bei beiden die Voraussetzungen nicht gerade günstig sind. Irgendwann wird es Zeit, sich zu fragen, ob der Wunsch nach dem eigenen Kind es wert ist, eine bis dahin glückliche Ehe aufzugeben. 

Das klingt jetzt alles sehr ernst und überhaupt nicht lustig, aber Tina Wolf hat Lisas und Bobs Geschichte wundervoll verpackt. Letztlich kommt auch der Humor nicht zur kurz - was kein Wunder ist bei Lisas Freunden und teilweise doch sehr seltsamer Verwandtschaft  (bei der ich - wäre es meine - einen starken Fluchtinstinkt verspüren würde). Bestes Beispiel sind Lisas Schwiegereltern, die von einem Tag auf den anderen beschließen, einfach mit einem Camper abzuhauen. Außerdem wird Lisa dazu auserkoren, sich um einen heimatlosen Papagei namens Herr Müller zu kümmern - nicht ihr Wunsch-Haustier, aber besser als nichts. Besagter Papagei sorgt natürlich für weiteres Chaos in Lisas Leben. 

Und so kann man mit Lisa und Bob lachen, weinen, schmunzeln, nachdenklich werden. Die beiden sind so ein sympathisches Paar. Eines meiner persönlichen Highlights war auf jeden Fall, wie Freundin Kiki Lisa hilft, trotz Stau rechtzeitig nach Hause zu kommen, um sich eine wichtige Spritze zu geben. So eine einfallsreiche (und durchgeknallte) Freundin wünscht sich jede Frau in ihrem Leben, genauso wie den ruhenden Gegenpol Vera und den Therapeuten Max. Lisa hadert mit sich, ob sie ihr Glück verloren hat, doch eigentlich gehört sie zu den sehr glücklichen Menschen - auch wenn sie sich vielleicht von einem Wunsch verabschieden muss. Aber wo sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere, oder? Und immerhin hat sie schon mal das Glück, Sky du Mont zu treffen - in ihrem kleinen Fotostudio.

Solltet ihr euch (wie ich anfangs auch) über den Buchtitel wundern: Keine Sorge, das erklärt sich im Laufe der Geschichte. Mich persönlich hat das Cover und die Inhaltsangabe von Anfang an neugierig gemacht. Da mir Tina Wolfs erstes Buch so gut gefallen hatte, wollte ich auch dieses unbedingt lesen und wurde nicht enttäuscht. Schon jetzt freue ich mich auf weitere Bücher von ihr. 

Für das Buch "Mit zwei Pampelmusen auf den Himalaya" gibt es von mir auf jeden Fall eine Leseempfehlung. Es liest sich einfach toll und ich habe wieder einmal Lust bekommen, nach Hamburg zu reisen. Meine ganz persönliche Meinung - ich kann mich also auch täuschen: Ganz junge Leserinnen wird es vielleicht nicht so sehr ansprechen, weil das Thema da noch nicht so sehr von Interesse ist. Es ist doch eher ein Buch für Endzwanzigerinnen oder über Dreißigjährige. 

Wie auch immer - ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!

Deborah


Ich bedanke mich ganz herzlich bei Tina Wolf und dem Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar!





   

Sonntag, 2. Februar 2014

Nunu Kaller - Ich kauf nix...und die Folgen für mich und 2014

Lang, lang ist's her, dass ich hier etwas geschrieben habe. Das hat seine Gründe. Am Ende dieses Posts werdet ihr sie besser verstehen.

Eines der wenigen Bücher, das ich in diesem Jahr nach dem Lesen noch behalten werde - einfach um mich eventuell noch einmal inspirieren zu lassen. Nunu Kaller gab mir den Anstoß für mein Jahresprojekt 2014 und diesen sehr persönlichen Blogpost, der weit mehr ist als eine reine Buchbewertung. 




Zum Inhalt:

Nunu Kaller ging - wie so viele andere - sehr unbedarft mit dem Thema Einkaufen um, in ihrem Fall hauptsächlich um Kleidung und Schuhe. Zur Aufarbeitung einiger Schicksalsschläge aber auch einfach mal so, geht sie immer häufiger Kleider kaufen. Nicht viel und nicht teuer, immer nur hier und da ein Teil, aber eben auch mehrfach im Monat oder in der Woche. Und so kommt immer mehr zusammen. Die Mengen an Kleidung führen zu Wäschebergen, die nicht mehr in ihre Schränke passen. Ihr Freund ist wohl auch nicht mehr sehr amüsiert darüber, ständig um die Wäscheberge herum zu steigen. Irgendwann kommt der Tag der Erkenntnis für Nunu, dass sie kurz vor der Kaufsucht steht - spätestens dann, als ihr klar wird, dass sie auch immer häufiger neue Sachen versteckt, um dann irgendwann sagen zu können, dass sie das Teil schon länger hat. Milde belächelt von ihren Freunden und der Familie, beschließt sie, diesen Zustand zu ändern und ein Jahr lang keine Kleider und Schuhe zu kaufen. Gleichzeitig will sie mehr über die Kleidung und deren Herkunft herausfinden und auch selbst Nähen und Stricken. Dieses Jahr wird in einer Art Tagebuch beschrieben, mit Höhen und Tiefen, Ersatzhandlungen und Erkenntnissen. Und nie trocken und langweilig.

Meine Bewertung:

Viele von euch erinnern sich sicher noch an den von Brösel's Bücherregal gestarteten Buchandels-Flashmob am 6. Dezember 2013.

Nebst meinem vorbestellten Buch (Anna Koschka - Mohnschnecke) musste da noch ein zweites Buch mitkommen. Durch Zufall in der Buchhandlung meines Vertrauens entdeckt , kurz den Inhalt überflogen und gedacht: Das ist es, das muss mit! Insbesondere nachdem mich im November 2013 Meg Lukens Noonans "Der perfekte Mantel" zum Nachdenken gebracht hat. Da passte Nunu Kallers "Ich kauf nix" einwandfrei dazu. Die Idee für mein neues Projekt für 2014 reifte. 

Man kann "Ich kauf nix" einfach so durchlesen in einem Rutsch. Nunus Verzichtsjahr ist neben dem Aufruf zum Umdenken auch sehr unterhaltsam und kein bisschen langweilig. Man leidet schon fast mit ihr, wenn sie ihre Traumstiefel entdeckt und einen Plan entwickelt, ihre eigenen Regeln so zu umgehen, dass sie die Stiefel im nächsten Jahr doch noch bekommt. Andererseits ist es toll, wie sie versucht, Kleidung für sich selbst herzustellen, zunächst auf die einfachste Art und Weise, aber sie geht es wenigstens an. Zunächst glauben ihr die wenigsten aus ihrem Umfeld, dass sie es schaffen wird, durchzuhalten, doch sie schafft es auch, die Skeptiker zu überzeugen. Ein bisschen kritisch wird es, wenn Nunu anfängt, andere zu belehren. Da riskiert sie doch schon mal die eine oder andere Freundschaft...aber auch diese kniffligen Situationen bekommt sie gemeistert. Und ihr Liebster kämpft derweil mit seinem selbst auferlegten Gummibären-Verzichtjahr. Sicher auch nicht leicht. 

Das Gesamtpaket aus Erfahrungsbericht und zusammengetragenen Informationen ist durch und durch gelungen und liest sich sehr gut. Optimal ist es sicherlich, wenn man sich weiter mit der Materie beschäftigt. Ich würde es jederzeit Freunden und Bekannten empfehlen. Daher gibt es von mir einen dicken Daumen nach oben und eine Schenkempfehlung!

Mein Projekt 2014:

Mit Meg Lukens Noonans Buch fing es an, mit Nunu Kaller kamen die Ideen weiter ins Rollen. Nunus Geschichte hat mir sehr gut gefallen, denn sie entdeckt nach und nach so viele Möglichkeiten und Wege, die weit besser sind als der schnöde Konsum. Außerdem geht sie in ihrem Buch, das aus ihrem Ich kauf nix Blog im Jahr des Verzichts entstanden ist, auf die Auswirkungen für Mensch und Umwelt ein. Wir alle wissen oder ahnen es zumindest, nehmen aber dennoch durch unser Handeln in Kauf, für massive Umweltverschmutzung, großes Leid in Billiglohn-Ländern und auch Tierquälerei verantwortlich zu sein. Jeder einzelne von uns, jedes Mal wenn wir ein Schnäppchen gemacht haben. Ich weiß nicht, wie es euch mit diesem Gedanken geht, aber mir macht es mittlerweile sehr zu schaffen. Vielleicht liegt es am Alter (werde ich jetzt etwa weise???), vielleicht aber daran, dass ich in der letzten Zeit zu viel über die Spuren, die wir auf der Erde hinterlassen, gelesen habe. Ich weiß nur eins: ICH. WILL. DAS. NICHT. MEHR. 

Genau wie Nunu Kaller vor ihrem einjährigen Shopping-Verzicht befinde ich mich mit großer Sicherheit auch nur einen winzigen Schritt (wenn ich die Linie nicht schon überschritten habe) vor der Kaufsucht. Und mittlerweile weiß ich auch, dass ich oft unüberlegt und schnell kaufe. Mir ist schon oft nach dem Kauf aufgefallen, dass ich denselben direkt bereut habe. Wieder einmal in die Marketingfalle getappt. :-( Kleidung habe ich zwar auch viele, aber das ist eigentlich nicht so sehr mein Beuteschema. Meine Schwachstellen liegen in anderen Bereichen (Bücher, Notizbücher, Schmuck, Kosmetik, Taschen, Tassen, anderer, unnötiger Kleinkram), und weil ich oft mal nebenbei etwas eingekauft habe, verliere ich manchmal den Überblick und stelle zum Beispiel fest, dass ich manches doppelt und dreifach zu Hause habe. Woraus sich natürlich ein Platzproblem ergibt. Und gleichzeitig erschwert mir all der Kram unheimlich das Leben (Nur mal so als Beispiel: Viele Bücher = Viel Staub). Deshalb soll damit jetzt Schluss sein - Dinge machen nicht glücklich. Wenn ich mir Bilder von Häusern/Räumen anschaue, gefallen mir immer die am besten, die groß, hell und ohne viele Dinge gestaltet sind - anders als meine volle Wohnung. Ich möchte auch mal wieder spontan Freunde einladen können, ohne zweiwöchigen Vorlauf zum Platz schaffen.

Darum gehe ich es seit dem 1. Januar 2014 an. Nach dem ersten Monat wird mir allerdings schon klar: Das wird hart - sehr hart! Aber noch bin ich guter Dinge.

Nichts desto Trotz verrate ich euch jetzt, was ich mir für 2014 so vorgenommen habe:

1. Kein Buch-, CD-, DVD-/Blu-ray-Kauf für mich persönlich. 
2. Kein Schmuck.
3. Keine Taschen.
4. Keine Notizbücher - seien sie auch noch so schön.
3. Kein unnützer Kram.
4. Jeder Kauf sollte kritisch hinterfragt werden (Brauche ich das wirklich? Oder will ich das vielleicht nur?).
5. Kleidung + Schuhe nur bei Bedarf und wenn Angaben zu Materialien/Herstellung bekannt.
6. Entrümpeln, Platz schaffen.
7. Kreativ tätig werden (Nähen, Stricken, Häkeln lernen, Schmuck herstellen).
8. Bei Lebensmitteln: Wieder verstärkt saisonal und regional kaufen (hatte ja schon mal geklappt...).
9. Für jeden Kauf, den ich nicht gemacht habe, kommt ein Zettel mit Preis und Beschreibung in mein Glas - damit ich am Ende des Jahres einmal herausfinden kann, wie viel ich dadurch gespart habe.
10. Tauschen ist erlaubt - Ziel sollte es jedoch sein, dass mehr Dinge das Haus verlassen, als wieder rein kommen.
11. Herausfinden, was mir wirklich Freude bereitet - neue Ziele finden!
12. Von Rückschlägen nicht komplett entmutigen lassen, sondern weitermachen!

Im Januar habe ich schon fast alle Punkte berücksichtigt - hoffentlich geht es so weiter. Vielleicht klappt es dann ja auch endlich mal mit Punkt 11, der mir am wichtigsten von allen ist. Ich nehme die Herausforderung an (siehe Punkt 12)! :-)

Meine Fortschritte zu Punkt 6 gibt es auf meinem anderen Blog, den ich schon 2012 gestartet habe. Leider verließ mich damals nach wenigen Wochen der Elan. Vielleicht sollte ich eine Challenge daraus machen und nach Mitstreitern suchen? 

Zu Punkt 7 gibt es auch schon die ersten Erfolgsmeldungen. Ende Dezember habe ich einfach so, das erste Mal nach ungefähr 30 Jahren, Stricknadeln in die Hand genommen - und bin stolz auf meine (zugegebenermaßen einfachen) Ergebnisse:




Das sind meine beiden kuscheligen Erstlingswerke. Dank unseres sehr milden Winters kommen sie bisher eher selten zum Einsatz. Mittlerweile gibt es noch eine schwarze Mütze und einen bunten Strick-Loop. Alles frei Schnauze und ohne jegliche Mustervorlagen. Für den Anfang kann man nicht meckern, denke ich.

Das war nun aber recht ausführlich, oder? Als Ausgleich für die lange Wartezeit...

Es stehen auch noch immer einige Bewertungen an - hoffentlich finde ich bald mal wieder die richtigen Worte...

Schönen Sonntag noch!

Deborah